"Jetzt können sie halt nicht mehr zurück."

"Seit 2010 sind 1993 indische und nepalesische Todesfälle auf den Baustellen für die WM in Katar bestätigt worden," sagt Bernhard Achitz, Leitender Sekretär des ÖGB. Offiziell wird diese Zahl aber von Katar bestritten, denn die, die aufgrund von Erschöpfung oder Dehydrierung in ihren Quartieren sterben, fallen nicht in ihre Statistik. Bis zur Eröffnung der Weltmeisterschaft rechnet der Internationale Gewerkschaftsbund mit mehr als 7000 Toten.

Im Vergleich dazu: die Olympischen Spiele in London 2012 – 0 Tote; die Fußball-WM in Südafrika 2010 – 2 Tote. Katar begründet die hohe Zahl damit, dass es nun mal schwierig und gefährlich ist bei bis zu 50 Grad Celsius, also quasi unvermeidbar. Seit 2015 ist allerdings die Firma Porr vor Ort tätig, mit österreichischen Arbeitnehmerschutz-Standards. Auf ihren Baustellen gibt es keine toten Bauarbeiter zu beklagen. Es ist also doch möglich.

Dass die Verantwortlichen der FIFA dagegen nichts unternehmen und die Situation schlicht hinnehmen, ist für Paul Scharner eine Schande. "Aber was sollen sie auch sagen, wenn vorher Gelder geflossen sind, jetzt sind ihnen halt die Hände gebunden und sie können nicht mehr zurück." Der Vorstellung, in einem Stadion zu sitzen und zu wissen, dass dafür hunderte Menschenleben geopfert wurden, steht er verständnislos gegenüber. "Sport darf nicht über Leichen gehen!"

Der ÖGB nennt für die miserablen Arbeitsbedingungen aber auch das Kafala-System, was moderner Sklaverei entspricht. Arbeiter werden quasi zum Eigentum des Arbeitgebers. Amnesty International nennt sogar die Begriffe Ausbeutung und Zwangsarbeit.

Gemeinsam haben nun der Österreichische Gewerkschaftsbund, die Naturfreunde Niederösterreich und die Gewerkschaft Bau-Holz zu einer Spendenaktion für die Hinterbliebenen aufgerufen – Solidaritätsbausteine. Für das Geld wird eine Schule in Nepal errichtet, durch die Naturfreunde Niederösterreich, die seit drei Jahren, seit dem schweren Erdbeben, vor Ort aktiv sind.

Service:
Spendenkonto ÖGB Bau-Holz „verunfallte Bauarbeiter“ AT18 1400 0001 1044 3749 bei der Bawag-PSK (BLZ 14000).


Quelle: OTS