Europa 1925 – von Robert Byron

Schon der Einband ist ein bibliophiltechnischer Orgasmus, eine Hülle, wie zum letzten Mal bei einer VHS-Kassette gesehen, drinnen ein tiefblauschimmerndes Buch. Jedes Buch der Anderen Bibliothek ist ein Einzelstück. Der zweite Gedanke nach "Ist das wunderschön!" versucht auszurechnen, wieviel alle bisher veröffentlichten Bücher kosten würden und wieviel Platz im Regal dafür benötigt würden.

Aber zum Buch. Es hat ja Inhalt und der ist wie die Aufmachung, ganz besonders. Drei junge Typen, keine Geldsorgen, leichtes Leben, machen sich auf den Weg Europa zu erkunden. Weg von der Insel, rauf auf den Kontintent. Ihre Stationen sind Berlin, Salzburg, Florenz, Rom und das Ziel: Athen. Ihr Gefährt ist ein Sunbeam, ein klassisches Drive-by-shooting wäre damit möglich. Sie aber fahren über Land und in die Städte und suchen die Menschen, das Nachtleben und schlicht, die Unterhaltung, wie es sich für reiche, englische Kinder gehört. Fad? Nur für die, die sich Spaß nicht leisten können. Grand Hotels, Kaviar, ja, das gehört halt dazu. Zwischendurch, in den Passagen, Fahrten, Episoden, lässt Byron seine Beobachtungsgabe und Formulierungskunst erkennen, die sich in späteren Büchern noch ausbauen wird. Die unterschiedlichen Uniformen an der deutsch-österreichischen Grenze, die unterschiedliche Art der Beamten an der österreichisch-italienischen Grenze formuliert er in wenigen Worten so, dass auch bei heutige Leser_innen sofort das Wort "Stimmt!" im Kopf haben.

Berliner Nachtleben mit der Mode aus der vorletzten Saison … wie kann man nur.

In seinen Beschreibungen wird manche Sehenswürdigkeit ausgelassen (hat er schon bei einer vorherigen Reise gesehen) und manches erwähnt, worüber sich heute wundern lassen würde. Aber er ist 20 und lebt sein Leben, sorglos aber nicht blind. Wer Ferragosto kennt, wird sich in dem Satz wiederfinden "Italien im August ist keineswegs das idyllische, beschwingte Land der Aquarellisten mittleren Alters wie im Frühling." Ja. Und Griechenland, da ist der dann doch überrascht. Mit allem hat er gerechnet, aber keine Straße? Das ist dann doch zu viel.

Griechisches Baden mit Salzkruste … sicher nicht!

Produktdetails
Die Andere Bibliothek Bd.373
Verlag: Ab - Die Andere Bibliothek
Best.Nr. des Verlages: 513/60373
Lim. u. num. Ausg.
Seitenzahl: 357
2015
Ausstattung/Bilder: Lim. u. num. Ausg. 2015. 357 S. m. einfarb. Faks. 217 mm
Deutsch
Abmessung: 221mm x 126mm x 30mm
Gewicht: 565g
ISBN-13: 9783847703730
ISBN-10: 3847703730
Best.Nr.: 42862669