"Jetzt können sie halt nicht mehr zurück."

Wenn die Wiener Stadtzeitung Falter zum Interview einlädt, fühle ich mich geschmeichelt und H.T. sagt mir, zu Recht, "Eh schön, aber typisch. Interviews geben musst du noch lernen."

Ganzer Artikel |Falter S. 18-19.| oder abgetippt:

„Warum wird da plötzlich gebaut?“

In Kurzdokus lässt der Filmemacher Maximilian Brustbauer die Menschen
auf der Mahü zu Wort kommen

Begegnung: Martina Powell

Vor ein paar Monaten sei ihm die Mahü noch ziemlich wurscht gewesen. Eine Straße mit wenig Flair, auf der er zur Arbeit radelte – aber nur, weil es der kürzeste Weg war. Wenn Maximilian Brustbauer heute auf der Mariahilfer Strßae unterwegs ist, lässt er sich Zeit und sieht genau hin: Wer schaut ihm ins Gesicht? Wer flaniert gemütlich? Wer ist schnell unterwegs?

Brustbauer, 28, ist kein Marktforscher, Politiker oder Spendenkeiler Er dreht Dokumentarfilme über Wien. „Querstadt im Detail – Mahü“ heißt sein aktuelles Projekt, das von der Stadt Wien in Auftrag gegeben wurde. In acht Kurzfilmen will der Niederösterreicher ein Stimmungsbild von den Menschen auf der zuletzt hart umkämpften Einkaufsstraße zeichnen.

Drei Episoden der Reihe gibt es bereits online zu sehen. Un weil er nicht der Einzige ist, der auf der Mahü Passanten anspricht, beobachtet Brustbauer sie vorher ganz genau: „Denn nur die langsameren und aufmerksamen lassen sich auf ein Gespräch ein.“

In jeder Episode stellt der Filmemacher eine andere Frage: Was halten Sie vom Umbau? Was halten Sie von den ersten sichtbaren Ergebnissen? Wie schätzen Sie die Kosten für die neue Fußgängerzone ein?

Seit Beginn der Umbauarbeiten im Mai 2014 ist Maximilian Brustbauer mit seinem Kamerateam auf der Mahü unterwegs und hält Bauarbeitern, Passanten, Anrainern, Bezirkvorstehern oder Apothekerinnen das Mikro unter die Nase und die Kamera vors Gesicht.

Die Menschen auf der Mahü sollen in eine Art Dialog treten, erklärt der Filmer die Idee hinter der Querstadt-Kurzfilmreihe. Deshalb lässt er die Antworten seiner Interviewpartner in den knapp acht Minuten langen Dokus unkommentiert aufeinander folgen.

Seine eigene Meinung zur neuen Fußgängerzone, die übrigens eine positive ist, hält Brustbauer dabei bewusst zurück: „Mein Material sind die Menschen auf der Mahü, die frei von der Leber weg erzählen. Je unterschiedlicher die Meinungen, desto besser. Ich bin der neutrale Beobachter.

Besonders zu Beginn des Umbaus musste sich Brustbauer einiges an Kritik anhören. Die Trafikantin, die über Baustellen schimpft, der Passant, der an der korrekten Planung des Projekts zweifelt, oder der Hutmacher, der sich nur eines wünscht: dass die Medien aufhören, ständig über die Mahü zu berichten. „Mache Interviews musste ich abbrechen – wegen Fremdenfeindlichkeit, Politikerbashing oder weil Bauarbeiter beschimpft wurden,“ erzählt Brustbauer. „Gegenstimmen und Kritik sind sehr wohl erwünscht, aber nicht auf einem beleidigenden Niveau.“

Bei den Gesprächen kamen aber auch ganz private Erinnerungen zum Vorschein. Erste Kindheitserlebnisse zum Beispiel, als noch die Straßenbahn auf der Mariahilfer Straße unterwegs war. Oder harmlose Kritik, etwa dass der Mistkübel ausgeleert gehört. Überraschend: Nicht alle haben eine Meinung nur neuen FuZo, erzählt Brustbauer. „Kurz nach Baubeginn meinte eine junge Frau, sie kenne sich gar nicht aus. Warum wird da plötzlich gebaut? Ich fand das eigentlich reizend, wie sie da neben der Welt läuft.“

Trotz aller Kritik vermitteln die kleinen Dokumentarfilme ein positives Bild von der neuen Fußgänger- und Begegnunszone, das weiß auch Brustbauer. „Mittlerweile fällt es mir einfach schwer, negative Stimmen zu bekommen,“ sagt er. „Vielleicht gibt es sie nicht, vielleicht frage ich die Falschen. Oder die Kritiker wollen keine Interviews geben.“ Seine Erklärung für die zunehmend positive Stimmung auf der Straße? Genauso banal wie wienerisch, vermutet Brustbauer: „Je sichtbarer die Fußgängerzone und je besser das Wetter, desto weniger wird auf der Straße gesudert.“

Bis Ende Juni 2015 werden vier weitere Episoden gedreht. Der Fokus dabe bleibt auf die gewöhnlichen Menschen der Mahü gerichtet. Geplant sind zusätzlich Spaziergänge mit Architekten, Stadtplanern und Geschäftsleuten.

Privat geht Brustbauer übrigens nur noch selten auf der Mariahilfer Straße spazieren. Denn er werde oft von Arbeitern und Unternehmern als „der Typ mit der Kamera“ erkannt und in ein Gespräch verwickelt: „Am Anfang war das ja noch lustig und aufregend, aber das war schnell vorbei.“ Jetzt kommt Brustbauer nur noch zum Filmen auf die Mahü – und radelt über die Lindengasse in die Arbeit. Da kommt man nämlich schneller voran.